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Die Fachzeitschrift für Werkstoffe –
Verarbeitung – Anwendung

Der vorläufige Peak ist erreicht

(09.08.2019) Alles andere als Rekordzahlen wäre eine Überraschung gewesen. Aber dass die Schweizer Kunststoffindustrie in 2018 so durchstarten würde, war denn doch nicht zu erwarten. 


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Mit CHF 16,081 Mrd. wurde die bisherige Rekordmarke aus dem Jahr 2008 geknackt (CHF 15,940 Mrd.).

Ganze 10,6 % beträgt der Zuwachs des Gesamtumsatzes 2018 der Schweizer Kunststoffindustrie gegenüber dem Vorjahr. Erstmals wurde die 16 Mrd.-Franken-Marke geknackt. Die Branche trägt damit rund 2 % zum BIP bei. Der doch massive Zuwachs veranlasste Geschäftsführer Kurt Röschli und Dr. Ernesto Engel, ehemaliger Geschäftsführer – die beiden werten jeweils gemeinsam das Zahlenmaterial aus und analysieren es – noch zusätzliche Gespräche mit Betrieben zu führen, um die Daten weiter abzusichern.

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«Hinter den vorliegenden Zahlen können wir stehen», sagt Röschli. «Das Jahr 2018 lief für die meisten Marktplayer extrem gut bis in den August hinein. Im letzten Quartal machten sich leichte Bremsspuren bemerkbar.» Röschli hält fest, dass sich die Geschäftsverläufe der Mitglieder von Plastics Europe (Verband deutscher Kunst-stoff-erzeuger) praktisch parallel zu denjenigen in der Schweiz bewegt haben. «Treibende Kraft in der EU ist die Automobilindustrie und diese hat aus bekannten Gründen (CO2-Emission, Diesel-Skandal) an Schub verloren. Das merken auch die Schweizer Zulieferer, was mir auch bestätigt wurde», so der Geschäftsführer weiter.

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Von den gut CHF 16 Mrd. haben sich alle Branchen ein grösseres Stück vom Kuchen abgeschnitten (Tab. 1), allen voran mit einem Zuwachs von 10,9 % auf CHF 10,547 Mrd. die Verarbeiter. Sie konnten nicht nur höhere Umsätze erwirtschaften, sondern auch höhere Preise erzielen. Dies wird auch durch den Index Umsatz Gummi- und Kunststoffwaren vom Bundesamt für Statistik erhärtet. Einen ähnlich starken Zuwachs wie die Verarbeiter legten auch die Rohstofflieferanten (+ 10,2%) und die Formenbauer (+10 %) hin. Regelrecht explodiert sind mit einem Plus von 18 % die Umsätze der Verwertungsbetriebe. «Bei den Verwertungsbetrieben war das so zu erwarten, weil die Notwendigkeit, Material zu recyceln in der Schweiz erkannt ist; auch das Bundesamt für Umwelt (Bafu) hat verstanden, dass neben der thermischen Verwertung (80 %) auch mechanisch recycelt (12%) werden muss. Ein Teil wird exportiert. Insgesamt entsorgen wir 99,3% des Kunststoffabfalls, d.h. wir littern nur 0,7%», führt Röschli aus.

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Mehr Mitarbeitende, weniger Firmen
Auch die Mitarbeiterzahl ist um 4,6 % auf 33 764 gewachsen. Das Plus erfolgte hier vor allem bei den Verarbeitern. «Die Zahlen zeigen, dass die Betriebe einen Teil ihres Umsatzes in die Mitarbeiter investiert haben», erläutert der Geschäftsführer die erfreuliche Tendenz. Während der Personalbestand seit 2016 nur eine Richtung kennt, nämlich nach oben, geht die Anzahl der Firmen in Folge zurück. 2018 zählte die Branche 775, das sind 1,1 % weniger als im Vorjahr (Tab. 2). Dazu bemerkt Röschli: «Natürlich gab es Konkurse, Zusammenlegungen, Produktionsschliessungen, Verlagerungen, aber es gab auch Neugründungen und die sind in der Firmenanzahl nicht erfasst. Diese werden wir ab nächstes Jahr in unsere Umfrage miteinbeziehen.»

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Die verarbeiteten Mengen von Kunststoff und Kautschuk sind mit 817 346 Tonnen quasi konstant geblieben (2017: 824 445 t, -1 %) (Tab. 3). Dies ist aber der Konstanz der Kunststoffmengen zu verdanken. Die Kautschukmenge ist um 12,3 % auf 42 165 t gesunken. Diesen Rückgang erklärt Röschli mit der Verlagerung von Kautschuk zu Kunststoff (TPE). Als Beispiel nennt er Dichtungen. Dieses Material (thermoplastische Elastomere) sei einfacher zu verarbeiten und – heute besonders wichtig – auch einfacher zu recyceln. Die verschiedenen Veränderungsraten sind augenfällig in Tabelle 4 dargestellt.

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Deutliche KMU-Struktur
Die Kunststoffbranche der Schweiz ist von KMU geprägt (ca. 660 der 775 Betriebe haben weniger als 100 Leute), das ist seit Jahren so und hat sich auch im Betrachtungsjahr nicht geändert. So beschäftigen rund 280 Betriebe mit weniger als 10 Personen insgesamt etwas über 1000 Leute. Im Gegenzug beschäftigen rund 50 Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitenden etwa 13 000 Personen (Tab. 6).

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Nicht nur die Umsätze sind gestiegen, auch die Exporte profitierten von der guten Wirtschaftslage. Gemäss der eidgenössischen Zollverwaltung (EZV) konnten 2018 Halbfabrikate im Wert von CHF 1667 Mio. und Fertigfabrikate von CHF 1834 Mio. exportiert werden. Das entspricht einem Plus von 4,7 resp. 7,7 % zum Vorjahr (Tab. 7). «Das ist auch ein Gütesiegel für die Schweizer Betriebe. Dass diese mit dem hohen Schweizerfranken in der Lage sind, so viel zu exportieren, zeugt von Qualität, Zuverlässigkeit, gutem Service und Dienstleistungen», so Röschli.

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In der Verteilung der Anwendungen gibt es nur marginale Veränderungen. Nach wie vor führt der Verpackungsbereich mit 41,2 % vor dem Bau mit 38,9 %. Weitere gewichtige Bereiche sind Fahrzeug (5,9 %), Medizin (4,9 %) und EE (4,0 %). Die restlichen 5,1 % entfallen auf Landwirtschaft, Haushalt und Sonstige (Tab. 8).

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Etwas Analysespielraum liefern die Import- und Exportvolumen von Kunststoffabfällen gemäss der EZV. 2018 wurden 90 814 t Kunststoffabfälle aus- und 53 766 t eingeführt (Tab. 9). Röschli betont, dass es sich beim Export um Material handelt, das wir zur Rezyklierung ins Ausland (vor allem nach Deutschland) schicken. Das Importmaterial stammt gemäss Röschli zu 67 % aus Deutschland, 20 % aus Frankreich und knapp 10 % aus Österreich. «Das ist Qualitätsware, die eingeführt wird.»

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Trotz grosser Anstrengungen in der Lehrlingsausbildung seitens des Verbands Swiss Plastics und der Branche bleibt das Thema Fachkräftemangel ein Dauerbrenner. Von den insgesamt 1600 Azubi liessen sich 525 (547) Lehrlinge zu Polymechanikern ausbilden, 228 (289) zu Kunststofftechnologen, 161 zu Formenbauer und 71 (47) zu Kunststoffverarbeitern; 131 wählten als Berufsziel Logistiker und der Rest entfallen auf KV und übrige (Tab. 12).

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Ausblick positiv, aber etwas gedämpfter
Wie jedes Jahr fühlte der Verband auch den Puls der Unternehmen bezüglich Ausblick auf die nächsten Monate. Während letztes Jahr in puncto Personal und Umsatz noch fast durchgehend die Sonne schien, zeigen sich nun leichte Wolken am Wirtschaftshimmel (Stand März 2019). Insgesamt erwarten noch 48 % einen höheren Umsatz (März 2018: 64 %) und 40 % gehen von einem gleichbleibenden Umsatz aus (28 %). Statt 8 % wie im Vorjahr rechnen 12 % mit einem rückläufigen Umsatz. Erfreulich ist: 64 % wollen am Personal festhalten (58%) und 27 % beabsichtigen, Leute einzustellen (33 %). ’Nur’ 9 % – gleich viel wie im Vorjahr – geben an, die Mitarbeiterzahl reduzieren zu wollen (Tab. 15). Alles in allem ist Röschli zuversichtlich, dass auch das laufende Geschäftsjahr zwar nicht mehr ganz so rosig, aber immer noch positiv ausfallen wird.


www.swiss-plastics.ch

Quelle: Umfrage Swiss Plastics

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